Wie bete ich?
Beten heisst, mit Gott zu reden und ihm zuzuhören, in deinen eigenen Worten oder mit Worten, die andere vor dir gefunden haben. Es gibt dabei kein Richtig und kein Falsch, das du zuerst lernen müsstest. Hier findest du einen einfachen Anfang und einen Plan für die erste Woche.
Redaktion Weile · aktualisiert am 5. Oktober 2026

So fängst du an
Setz dich irgendwo hin, wo du ein paar Minuten ungestört bist. Sag dann, laut oder innerlich, so etwas wie:
Gott, ich weiss nicht genau, wie das geht. Aber ich bin da und möchte mit dir reden. Heute war …
Und dann erzähl. Wie der Tag war, was dich beschäftigt, wofür du dankbar bist, wovor du Angst hast. In den Worten, die du auch einer guten Freundin gegenüber benutzen würdest. Wenn dir nichts mehr einfällt, sei noch einen Moment still und sag «Amen». Das heisst «So sei es».
Damit hast du gebetet.
Teresa von Ávila, eine der grossen Lehrerinnen des Gebets, hat es so beschrieben: ein freundschaftlicher Umgang, bei dem man oft allein mit dem redet, von dem man weiss, dass er einen liebt. Der Katechismus der katholischen Kirche hat diesen Satz übernommen (Nr. 2709).
Auch die Jünger mussten fragen
Wer beten lernen will, ist in guter Gesellschaft. Die Jünger lebten jeden Tag mit Jesus und baten ihn trotzdem: «Herr, lehre uns beten» (Lukas 11,1). Jesus antwortete mit einem Gebet, dem Vaterunser.
Das Vaterunser ist bis heute die beste Schule des Gebets. Es enthält fast alles, was Beten ausmacht: Gott ansprechen, ihn loben, um das Nötige bitten, um Vergebung bitten, um Schutz bitten. Wenn du nicht weisst, was du sagen sollst, bete es langsam und bleib bei der Zeile, die dich heute anspricht.
Zwei weitere Sätze von Jesus helfen am Anfang. Der erste: «Wenn du beten willst, so geh in deine Kammer, schliesse deine Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist» (Matthäus 6,6). Beten braucht keinen Auftritt. Der zweite steht gleich danach: «Euer Vater weiss ja, was ihr bedürft, ehe ihr ihn bittet.» Du musst Gott nichts erklären. Du darfst es ihm trotzdem sagen.
Und für die Tage, an denen gar nichts geht, schreibt Paulus: «Wir wissen nicht, was wir so, wie es gerade not tut, beten sollen. Da tritt dann aber der Geist selbst mit unaussprechlichen Seufzern für uns ein» (Römer 8,26).
Fünf Arten zu beten
Es hilft, ein paar Grundformen zu kennen. Du musst nicht alle in jedem Gebet unterbringen.
Danken. Der einfachste Anfang. Sag am Abend drei Dinge, für die du dankbar bist, so konkret wie möglich. «Danke für das Gespräch mit Lena in der Mittagspause» ist besser als «Danke für alles».
Bitten. Für dich und für andere. Du darfst um Kleines bitten, um einen Parkplatz oder um einen ruhigen Abend, und um Grosses, um die Heilung deines Vaters. Bitten heisst, zuzugeben, dass du nicht alles in der Hand hast.
Klagen. Viele wissen nicht, dass man das darf. Ein grosser Teil der Psalmen sind Klagen, etwa Psalm 13: «Wie lange noch, Herr, willst du mich ganz vergessen?» Wer wütend oder traurig ist, kann das Gott sagen. Er hält es aus.
Loben. Gott dafür preisen, dass er ist, wie er ist. Das fällt am Anfang schwer, weil es keinen Zweck hat. Die Psalmen helfen dabei, etwa Psalm 103: «Vergiss nicht, was er dir Gutes getan.»
Schweigen und hören. Nicht reden, nur da sein. Am Anfang reicht eine Minute. Mehr dazu im Ratgeber Christliche Meditation.
GebetEinfach da seinGanzen Text lesenEin Plan für die erste Woche
Jeden Tag fünf Minuten, immer zur gleichen Zeit. Wenn du einen Tag verpasst, mach einfach am nächsten weiter.
| Tag | Was du tust |
|---|---|
| 1 | Erzähl Gott in eigenen Worten von deinem Tag. Schluss mit «Amen». |
| 2 | Bete das Vaterunser sehr langsam. Bleib bei einer Zeile stehen. |
| 3 | Sag drei Dinge, für die du heute dankbar bist. |
| 4 | Bete für drei Menschen, je mit Namen und einem Satz. |
| 5 | Lies Psalm 23 zweimal langsam. Welches Wort bleibt hängen? |
| 6 | Sag Gott, was dich gerade belastet. Und dann: «Ich gebe es dir.» |
| 7 | Setz dich fünf Minuten still hin und sag nur ab und zu: «Du bist da.» |
Wenn dir nach der Woche eine Form besonders gutgetan hat, bleib bei ihr. Ein festes Morgen- oder Abendgebet ist ein guter nächster Schritt. Beides findest du in den Ratgebern zum Morgengebet und zum Abendgebet.
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Weile öffnenWenn du lange nicht gebetet hast
Viele, die nach «beten lernen» suchen, haben als Kind gebetet und es dann aus den Augen verloren. Wer nach zwanzig Jahren wieder anfängt, fühlt sich oft unbeholfen. Das Kindergebet passt nicht mehr, und eigene Worte fühlen sich fremd an.
Fang dort an, wo du heute stehst. Wenn du zweifelst, sag Gott das. «Ich weiss nicht, ob du da bist, aber ich versuche es» ist ein ehrliches Gebet. Im Evangelium sagt ein Vater zu Jesus: «Ich glaube: hilf meinem Unglauben!» (Markus 9,24). Jesus hilft ihm.
Viele finden über alte Texte zurück: ein Psalm, ein Lied aus der Kindheit, das Vaterunser. Andere über Musik oder über einen Kirchenraum, in dem sie einfach eine Weile sitzen.
Beten als Katholik oder Katholikin: die Grundgebete
Wer katholisch beten lernen möchte, beginnt meist mit einigen Grundgebeten, die man auswendig kann. Sie sind ein Halt, wenn eigene Worte fehlen:
- das Kreuzzeichen: «Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.»
- das Vaterunser
- das Ave Maria
- das Ehre sei dem Vater
- das Glaubensbekenntnis
Evangelische Christen beten das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis und oft Luthers Morgen- und Abendsegen. Das Ave Maria ist katholisch geprägt.
Häufige Fragen
Wie bete ich richtig?
Wenn du ehrlich bist, betest du richtig. Gott braucht keine schönen Formulierungen und keine bestimmte Länge. Jesus warnt sogar davor, viele Worte zu machen (Matthäus 6,7).
Zu wem bete ich: Gott, Jesus oder Maria?
Christen beten zu Gott, dem Vater, durch Jesus Christus, im Heiligen Geist. Du kannst jeden von ihnen direkt ansprechen. Jesus hat gesagt «Vater», also darfst du das auch. Katholische Christen bitten ausserdem Maria und die Heiligen, für sie zu beten, so wie man einen Freund bittet, für einen mitzubeten.
Muss ich dabei knien oder die Hände falten?
Nein. Du kannst sitzen, stehen, gehen, liegen. Die Haltung kann helfen, sich zu sammeln. Manche öffnen die Hände, um zu zeigen, dass sie etwas empfangen wollen. Probier aus, was dir guttut.
Was, wenn ich nichts spüre?
Das geht fast allen so, oft über lange Zeit. Beten hängt nicht an Gefühlen. Wer weiterbetet, auch wenn es sich leer anfühlt, ist nicht weniger nah bei Gott als jemand, der viel spürt. Ein Gebet für solche Zeiten: Wenn du zu schweigen scheinst.
Hört Gott wirklich zu?
Christen glauben das. Beweisen kann es niemand. Viele Menschen, die lange beten, erzählen aber, dass sie im Rückblick Antworten sehen, die sie im Moment nicht erkannt haben. Ein Gebetstagebuch hilft, solche Spuren zu bemerken.