Sorgen loslassen im Gebet

Sorgen abgeben heisst, sie einmal ganz auszusprechen und sie dann bewusst in Gottes Hand zu legen, bis morgen. Ein kleines Ritual am Abend hilft dabei: drei Zettel, ein Krug und einmal im Monat ein Feuer.

Redaktion Weile · aktualisiert am 5. Oktober 2026

Der Krug

Ein Gebet, um Sorgen abzugeben

Gott, das hier lässt mich nicht los: (sag es in einem Satz) Ich habe getan, was ich heute tun konnte. Den Rest lege ich dir hin. Behalte es heute Nacht. Wenn ich es morgen wieder brauche, gibst du es mir zurück, und vielleicht ist es dann leichter. Amen.

Wichtig ist die zweite Zeile. Eine Sorge, die du nur ungefähr spürst, lässt sich schlecht abgeben. Sag sie so konkret wie möglich: «Ich habe Angst vor dem Befund am Donnerstag.» «Ich weiss nicht, wie wir die Steuerrechnung bezahlen.» «Mein Sohn redet seit zwei Wochen kaum mit mir.»

Was die Bibel dazu sagt

Der erste Petrusbrief sagt es in einem Satz: «Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch!» (1. Petrus 5,7). Werfen ist ein kräftiges Wort. Es meint ein Loslassen, bei dem man die Sache nicht mehr in der Hand hält.

Paulus schreibt an die Gemeinde in Philippi: «Lasst in jeder Lage eure Anliegen durch Gebet und Flehen verbunden mit Danksagung vor Gott kund werden! Dann wird der Friede Gottes, der höher ist als aller Verstand, eure Herzen und euer ganzes Denken bewahren» (Philipper 4,6–7). Auffällig ist das Wort «Danksagung». Paulus verbindet das Bitten mit dem Danken.

Und in Psalm 56 betet jemand: «Meines Elends Tage hast du gezählt, meine Tränen in deinem Krüglein gesammelt.» Gott hebt auf, was uns zu schwer wird.

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Das Ritual mit dem Krug

In Weile gibt es dafür ein kleines Ritual für jeden Abend. Es dauert zwei Minuten und passt ans Ende des Abendgebets.

Du legst drei kurze Zettel in deinen Krug:

  1. Danke. Wofür bist du heute dankbar? Zum Beispiel: «Der erste Kaffee, in Ruhe getrunken.» Oder: «Mein Körper hat mitgemacht.»
  2. Ablegen. Was willst du heute nicht mehr allein tragen? Zum Beispiel: «Angst vor dem Arzttermin.» Oder: «Ein Satz, der mich verletzt hat.»
  3. Geben. Was hast du heute gegeben, auch wenn es niemand gesehen hat? Zum Beispiel: «Zugehört, obwohl ich keine Zeit hatte.» Oder: «Nicht zurückgegiftet.»

Ein paar Worte pro Zettel reichen. Dann ist der Krug zu, und der Tag auch.

Die Reihenfolge ist Absicht. Der Dank kommt zuerst, damit die Sorge nicht den ganzen Abend bestimmt. Und der dritte Zettel erinnert daran, dass du heute auch etwas getragen und verschenkt hast. Für viele ist er der schwierigste, weil man das eigene Gute selten bemerkt.

Ein Beispiel

Es ist halb elf, die Kinder schlafen, die Spülmaschine läuft. Du setzt dich noch einmal aufs Sofa und nimmst das Handy, diesmal für etwas anderes.

  • Danke: «Lina hat heute zum ersten Mal allein den Schulweg geschafft.»
  • Ablegen: «Die offene Rechnung von der Zahnärztin.»
  • Geben: «Habe meiner Kollegin die Präsentation abgenommen, obwohl ich selbst genug hatte.»

Dann legst du das Handy weg. Die Rechnung ist damit nicht bezahlt. Aber sie muss heute Nacht nicht mehr im Kopf kreisen, und morgen um neun kannst du die Bank anrufen.

Am Monatsende geht der Krug ins Feuer

Einmal im Monat schaust du zurück auf das, was sich gesammelt hat. Die Dankzettel, die abgelegten Sorgen, die kleinen Gaben. Oft merkst du dabei, dass sich manche Sorge von vor drei Wochen längst erledigt hat. Andere sind noch da.

Dann geht alles ins Feuer, und damit ganz in Gottes Hand. Der Krug ist danach leer, und am nächsten Abend beginnt er von vorn.

Wenn du das Ritual ohne App machen willst, nimm einen echten Krug oder ein Glas, kleine Zettel und einen Stift, und stell alles an einen Ort, an dem du abends vorbeikommst. Am Monatsende verbrennst du die Zettel draussen in einer feuerfesten Schale oder im Cheminée.

In Weile bleiben deine Zettel auf deinem Gerät. Niemand liest mit, auch wir nicht.

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Wenn die Sorgen nachts zurückkommen

Manchmal liegt eine Sorge abends im Krug und sitzt um drei Uhr wieder auf der Bettkante. Das ist kein Zeichen, dass das Ritual nicht funktioniert hat. Abgeben ist eine Übung, die man wiederholt, manchmal mehrmals in einer Nacht.

Dann hilft ein einziger Satz, im Rhythmus des Atems: «Ich habe es dir gegeben.» Oder das Jesusgebet. Mehr Hilfe für wache Nächte steht im Ratgeber Gebet vor dem Schlafen.

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Häufige Fragen

Heisst Sorgen abgeben, dass ich nichts mehr tun muss?

Nein. Was du tun kannst, tust du. Abgeben betrifft den Teil, den du nicht in der Hand hast: den Ausgang, das Verhalten anderer, die Zukunft. Jesus sagt: «Jeder Tag hat an seiner eigenen Mühsal genug» (Matthäus 6,34).

Was, wenn die Sorge sehr gross ist?

Dann gib sie trotzdem ab, und such dir zusätzlich Menschen, die mittragen. Wenn Sorgen in Angst übergehen, die dich nicht mehr schlafen oder essen lässt, sprich mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder einer Seelsorgerin. In der Schweiz erreichst du die Dargebotene Hand jederzeit unter 143, in Deutschland die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111, in Österreich die Telefonseelsorge unter 142.

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