Marienkapelle auf dem Grat

Schönstatt · Teil 1

Ein Bündnis

8 Min. · Stimme Michael · Joh 19,25–27

Teil eins: Herbst 1914, ein paar junge Leute und eine kleine Kapelle am Rhein. Was ein Bündnis mit Gott durch Maria ist, und wie du selbst eines anfangen kannst.

Schönstatt

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Diese Reihe hat sieben Teile. Sie erzählt von Schönstatt, einer Bewegung in der katholischen Kirche, die vor gut hundert Jahren an einem kleinen Ort am Rhein angefangen hat. Du musst nichts darüber wissen. Ein paar Wörter werden dir fremd vorkommen. Ich erkläre sie, wenn sie kommen, und danach benutzen wir sie einfach. Setz dich zuerst hin. Wenn du gerade unterwegs bist, ist das auch in Ordnung.

Atme ein. Und lass den Atem langsam hinausgehen.

Gott, ich bin da. Mit allem, was heute schon war.

Herbst 1914. Seit ein paar Wochen ist Krieg in Europa. In Vallendar bei Koblenz leben in einem Internat Jungen, die später Priester werden wollen. Die ältesten wissen, dass sie bald eingezogen werden. Ihr Begleiter im Internat ist ein Priester von achtundzwanzig Jahren. Er heisst Josef Kentenich. Seine eigene Geschichte hörst du im siebten Teil. Neben dem Haus steht eine kleine, alte Kapelle, dem Erzengel Michael geweiht. Lange hat man darin Gartengeräte abgestellt. Im Sommer 1914 bekommen die Jungen sie für ihre Treffen. Am achtzehnten Oktober, einem Sonntag, trifft Kentenich sich dort mit einer Gruppe von ihnen. Was er vorschlägt, klingt ziemlich kühn. Sie sollen Maria bitten, sich in dieser Kapelle niederzulassen und von hier aus zu wirken, an ihnen und durch sie an vielen anderen. Die Jungen wollen dafür etwas geben: ihren ehrlichen Einsatz im Internatsalltag und die vielen kleinen Überwindungen, die keiner sieht.

Für diesen Nachmittag hat man später ein Wort gefunden: Liebesbündnis. Es klingt nach einer anderen Zeit. Gemeint ist etwas Einfaches. Zwei Seiten versprechen einander etwas, und beide halten Wort. Maria nimmt dich an der Hand und bringt dich zu Jesus. Du gibst ihr, was du hast, auch wenn es wenig ist. So haben die Jungen das damals verstanden.

Die kleine Kapelle steht heute noch. Man nennt sie das Urheiligtum. Heiligtum ist ein Wort, das in dieser Reihe öfter vorkommt. Es meint einen Ort, an dem Menschen Gott seit Langem ihr Leben hinhalten und an dem man ihm leichter nahekommt. Auf der ganzen Welt gibt es heute rund zweihundert Nachbauten dieser Kapelle, alle gleich klein. Und jeder achtzehnte im Monat heisst Bündnistag. Dann erinnert man sich an jenen Sonntag im Oktober und sagt das eigene Ja noch einmal.

Im Johannesevangelium gibt es eine Szene, die zu diesem Bündnis passt. Sie spielt unter dem Kreuz. Es standen aber beim Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, auch Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. Als nun Jesus seine Mutter und neben ihr den Jünger, den er besonders lieb hatte, stehen sah, sagte er zu seiner Mutter: «Frau, siehe dein Sohn!» Darauf sagte er zu dem Jünger: «Siehe deine Mutter!» Und von dieser Stunde an nahm der Jünger sie zu sich in sein Haus.

Jesus stirbt, und er denkt dabei an zwei Menschen, die zurückbleiben. Er gibt sie einander. Der Jünger fragt nicht lange nach. Er nimmt Maria mit nach Hause. Ein Bündnis mit Gott durch Maria kann genauso anfangen. Du nimmst sie zu dir, in dein gewöhnliches Leben. Und sie bringt dich zu ihrem Sohn.

Vielleicht ist dir Maria fremd, oder du hast mit der Kirche deine Mühe. Dann nimm nur so viel mit, wie für dich stimmt.

Ich lade dich jetzt zu einer Stille ein. Frag dich: Was könnte ich Gott geben? Etwas Kleines, das du sowieso tust. Den Weg zur Arbeit vielleicht, oder ein Gespräch, das du lieber vermeiden würdest.

Und dann frag ihn: Was brauche ich von dir?

Wenn du magst, bete jetzt mit. Ich spreche langsam. Maria, Mutter von Jesus. Ich weiss nicht genau, wie ein Bündnis geht. Ich fange trotzdem an.

Ich gebe dir meine Tage, so wie sie sind. Das, was gelingt, und das, worauf ich nicht stolz bin.

Nimm mich zu dir, so wie der Jünger dich zu sich genommen hat. Und bring mich zu deinem Sohn.

Jesus, ich will mit dir gehen. Halte du mich, wenn ich es vergesse. Amen.

Ein Vorsatz für heute. Schreib dir am Abend einen einzigen Satz auf: Was habe ich Gott heute gegeben? In dieser App gibt es dafür einen Krug. Wie er funktioniert, hörst du im zweiten Teil.

Gott segne dich und deinen Tag.