
Stille · Jesusgebet
Erbarme dich meiner
10 Min. · Stimme Leon · Mk 10,46–52
Das Herzensgebet der Ostkirche, Satz für Satz eingeübt. Ein einziger Satz, im Rhythmus des Atems wiederholt, bis er von selbst weiterbetet.
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Willkommen. In den nächsten Minuten lernen wir ein Gebet, das nur aus einem Satz besteht. Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.
Setz dich bequem und aufrecht hin. Die Füsse stehen fest auf dem Boden. Die Hände liegen ruhig. Und wenn du magst, schliess die Augen.
Atme ein paar Mal tief durch. Und dann lass den Atem wieder von selbst gehen.
Dieses Gebet kommt aus dem christlichen Osten. Mönche auf dem Berg Athos beten es seit Jahrhunderten, Tag und Nacht. Aber es gehört genauso der Pflegerin im Nachtdienst und dem Vater, der mit dem Kinderwagen um den Block läuft, damit das Baby endlich schläft.
Vor bald hundertfünfzig Jahren erschien in Russland ein kleines Buch über einen Pilger. Er hatte in der Kirche gehört, man solle ohne Unterlass beten, und wollte wissen, wie das gehen soll. Ein alter Mönch hat ihn dieses Gebet gelehrt. Der Pilger ist damit durch das ganze Land gewandert, und irgendwann hat das Gebet in ihm weitergebetet, auch wenn er an anderes dachte.
Seine Wurzel liegt im Evangelium. Vor der Stadt Jericho sitzt ein blinder Bettler am Weg, Bartimäus. Als er hört, dass Jesus vorbeikommt, fängt er an zu rufen: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner.
Die Leute sagen ihm, er solle still sein. Er ruft nur noch lauter. Da bleibt Jesus stehen und lässt ihn holen. Bartimäus wirft seinen Mantel ab, springt auf und kommt zu ihm. Und Jesus fragt: Was willst du, dass ich dir tue?
Erbarme dich meiner. Das hebräische Wort für Erbarmen ist verwandt mit dem Wort für den Mutterschoss. Der Satz heisst ungefähr: Schau mich an und wende dich mir zu. Ich brauche dich.
So geht das Gebet. Beim Einatmen sagst du innerlich: Herr Jesus Christus. Beim Ausatmen: erbarme dich meiner. Ohne Stimme, ganz langsam. Die Worte liegen auf dem Atem, wie ein Boot auf dem Wasser.
Versuchen wir es zusammen. Ich spreche die Worte, du atmest mit. Herr Jesus Christus.
Erbarme dich meiner.
Herr Jesus Christus.
Erbarme dich meiner.
Jetzt betest du allein weiter, in deinem Rhythmus. Wenn ein Gedanke kommt, lass ihn vorbeiziehen und kehr zum Satz zurück. Du musst nichts dabei fühlen. Es genügt, dass du den Namen Jesu immer wieder aussprichst.
Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.
Einatmen: Herr Jesus Christus. Ausatmen: erbarme dich meiner.
Vielleicht merkst du, dass die Worte schneller werden, oder mechanisch. Dann mach langsamer. Leg bei jedem Wort ein wenig Gewicht auf den Namen. Jesus.
Du kannst jetzt spüren, wo das Gebet in dir sitzt. Am Anfang ist es im Kopf. Mit der Zeit rutscht es tiefer, in die Brust, in die Gegend des Herzens. Du musst das nicht erzwingen. Lass es einfach sinken.
Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.
Jetzt kannst du das Gebet für einen anderen Menschen beten. Denk an jemanden, der es gerade schwer hat. Und sprich beim Ausatmen: erbarme dich seiner. Oder: erbarme dich ihrer.
Und nun wieder für dich, und für uns alle. Herr Jesus Christus, erbarme dich unser.
Langsam kommen wir zum Ende. Lass den Satz ausklingen, wie eine Glocke, die nachschwingt.
Bartimäus hat Jesus gesagt, was er wollte. Ich möchte sehen. Wenn du magst, sag Jesus jetzt auch, was du dir von ihm wünschst. Ein Satz genügt.
Herr Jesus Christus, danke, dass du stehen bleibst, wenn ich rufe. Amen.
Ein Vorsatz für heute: Nimm dieses Gebet mit. Wenn du auf etwas wartest, in der Schlange an der Kasse oder im Lift, sag den Satz ein einziges Mal. Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner.
Öffne die Augen, wenn du so weit bist.