
Stille · Psalm 131
Mein Herz wird still
9 Min. · Stimme Lana · Ps 131
Zur Ruhe kommen wie ein Kind, das sich bei der Mutter ausgeweint hat. Für Tage, an denen dir alles zu viel und zu gross ist.
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Willkommen. Diese Zeit ist für die Tage, an denen dir alles zu viel ist. Die Nachrichten, die Entscheidungen, die du treffen musst, die Fragen, auf die du keine Antwort hast, und die Liste, die nie kürzer wird.
Setz dich bequem hin, oder leg dich, wenn dir das lieber ist. Lass den Körper vom Stuhl oder von der Matratze tragen. Du musst dich jetzt selbst nicht halten.
Atme ein paar Mal tief ein und lass den Atem langsam gehen. Beim Ausatmen dürfen die Schultern sinken, und das Gesicht darf weich werden. Die Stirn. Der Kiefer.
Wir beten heute mit einem der kürzesten Psalmen der Bibel, dem Psalm hunderteinunddreissig. Er hat nur drei Verse. Ich lese ihn einmal langsam vor. Hör einfach zu.
Herr, mein Herz ist nicht hochfahrend, und meine Augen erheben sich nicht stolz. Ich gehe nicht mit Dingen um, die vermessen sind und mir zu hoch.
Nein, ich habe mein Herz beruhigt und gestillt. Wie ein entwöhntes Kind an der Mutter Brust, so ruht entwöhnt mein Herz in mir.
Israel, harre des Herrn, von nun an bis in Ewigkeit.
Stell dir ein kleines Kind vor, das bei seiner Mutter liegt. Vorher hat es vielleicht geweint, und jetzt ist es ruhig geworden. Es will nichts mehr. Sein Atem geht langsam.
Wenn du Kinder hast, kennst du diesen Moment. Oder du erinnerst dich daran, wie es war, selbst so gehalten zu werden. Wenn dir diese Erinnerung fehlt, dann stell dir einfach vor, wie es sein könnte. Gott hält dich so.
Zuerst schauen wir auf das, was dir zu hoch ist. Dinge, die vermessen sind und mir zu hoch, heisst es im Psalm. Was ist das bei dir? Die Weltlage. Die Zukunft deiner Kinder. Die Frage, wie es mit deinen Eltern weitergeht. Eine Entscheidung, die du nicht überblickst.
Nimm eins davon und leg es in Gedanken vor dich hin. Du musst es jetzt nicht lösen. Du darfst es Gott überlassen, für diese paar Minuten.
Und jetzt sprich innerlich den Satz aus dem Psalm, langsam, beim Ausatmen: Ich habe mein Herz beruhigt und gestillt. Wenn dir der Satz zu lang ist, nimm nur die letzten Worte: mein Herz wird still.
Bleib bei diesem Satz. Lass es geschehen, so wie das Kind im Arm der Mutter ruhig wird, ohne sich anzustrengen.
Wenn Gedanken kommen, und sie werden kommen, dann ist das kein Grund, unruhig zu werden. Kehr einfach zurück zu den Worten. Mein Herz wird still.
Stell dir jetzt vor, dass du so gehalten bist. Du musst nichts leisten und nichts entscheiden. Du liegst einfach da, und jemand ist da, der dich hält.
Mein Herz wird still.
Wenn Traurigkeit aufsteigt, oder Tränen, dann darf das sein. Auch das Kind im Psalm hat wohl vorher geweint.
Langsam kommen wir zum Ende. Hör noch einmal den letzten Vers: Harre des Herrn, von nun an bis in Ewigkeit. Harren heisst warten, mit Vertrauen. Du musst nicht alles heute wissen.
Gott, du bist mir Vater und Mutter zugleich. Danke, dass ich bei dir ruhig werden darf, auch wenn um mich herum nichts ruhig ist. Amen.
Ein Vorsatz für heute: Wenn dir heute wieder etwas über den Kopf wächst, leg eine Hand auf die Brust und sag einmal: Mein Herz wird still.
Bleib noch einen Moment, bevor du aufstehst. Und öffne die Augen, wenn du so weit bist.