Lärchenwald im Nebel

Stille · Ein Wort als Anker

Ein einziges Wort

9 Min. · Stimme Leon · Röm 8,15

Wenn der Kopf nicht still wird, hilft ein einziges Wort, zu dem du immer wieder zurückkehrst. Such dir deins aus und bleib dabei.

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Willkommen. Diese Übung ist für Menschen, deren Kopf nicht still wird. Also für fast alle. Setz dich hin, so dass du eine Weile gut sitzen kannst. Aufrecht, aber bequem. Die Füsse auf dem Boden, die Hände im Schoss. Schliess die Augen, wenn du magst.

Atme ein paar Mal langsam aus, länger als ein. Mit jedem Ausatmen wird der Körper ein wenig schwerer.

Wir werden gleich ein einziges Wort benutzen. Ein Wort, das du innerlich sprichst und zu dem du immer wieder zurückkehrst. Stell dir ein Boot vor, das vor Anker liegt. Wind und Wellen bewegen es hin und her, aber es treibt nicht ab. Dein Wort ist so ein Anker.

Paulus schreibt an die Christen in Rom, dass der Geist Gottes in uns ruft: Abba, lieber Vater. Abba ist das Wort, mit dem ein kleines Kind in der Sprache Jesu nach seinem Vater ruft. Jesus selbst hat so gebetet.

Abba könnte dein Wort sein. Du kannst aber auch ein anderes wählen. Jesus. Friede. Oder einfach: Du. Wichtig ist, dass es kurz ist und zu Gott hinzeigt. Wähl es einmal, und wechsle es während der Übung nicht. Sonst fängt der Kopf an zu verhandeln, welches Wort besser wäre.

Nimm dir jetzt einen Moment und lass ein Wort kommen. Wenn du unsicher bist, nimm Abba. Und dann bleib bei diesem Wort, heute die ganze Zeit.

So geht es. Du sprichst dein Wort innerlich, ohne Stimme, ganz sanft. Immer dann, wenn du merkst, dass du woanders bist. Dann legst du das Wort hin, wie man eine Feder auf ein Kissen legt.

Du wirst woanders sein. Oft. Bei der Arbeit, oder bei der Frage, ob du den Herd abgestellt hast. Das ist kein Fehler. Dafür ist das Wort da. Du merkst es, und du kehrst zurück.

Beginnen wir. Sprich dein Wort jetzt zum ersten Mal, innerlich. Und bleib dann in der Stille. Ich melde mich wieder, von Zeit zu Zeit.

Dein Wort. Sanft. Ohne Druck.

Wenn ein Gedanke kommt, musst du ihn nicht verscheuchen. Lass ihn vorbeiziehen, wie eine Wolke am Himmel. Und kehr zu deinem Wort zurück.

Vielleicht meldet sich eine Sorge, die sich wichtig macht. Sie darf warten. Du kannst sie nachher wieder aufnehmen. Jetzt: dein Wort.

Manchmal wird das Wort ganz leise. Manchmal fällt es fast weg, und es bleibt nur Stille. Wenn das geschieht, lass es geschehen. Du brauchst das Wort erst wieder, wenn die Gedanken zurückkommen. Und wenn der Körper unruhig wird, ein Kribbeln in den Beinen, ein Jucken, dann darfst du dich bewegen. Langsam. Danach kehrst du zum Wort zurück.

Du musst nichts erreichen. Du sitzt einfach da, vor Gott, und sagst ihm ein einziges Wort. Er weiss, was du damit meinst.

Dein Wort. Und dann wieder Stille.

Langsam kommen wir zum Ende. Sprich dein Wort noch ein letztes Mal, langsam. Und hör hin, wie es in dir nachklingt.

Spür jetzt wieder deinen Körper. Die Füsse, die den Boden berühren. Die Hände im Schoss.

Vater, danke, dass ich zu dir kommen darf wie ein Kind. Mit einem einzigen Wort. Du hörst mehr heraus, als ich sagen kann. Amen.

Ein Vorsatz für heute: Behalte dein Wort. Wenn es heute laut wird in dir, im Stau oder beim Streit am Küchentisch, sprich es einmal, innerlich. Mehr braucht es nicht.

Öffne die Augen, wenn du so weit bist.