Schafe auf der Alp

Schlafen · Psalm 23

Auf grünen Auen

13 Min. · Stimme Lana · Ps 23

Der dreiundzwanzigste Psalm als Wanderung am Abend: über Wiesen, an einen Bach, durch ein dunkles Tal bis zu einem Haus mit hellen Fenstern.

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Leg dich hin und schliess die Augen, wenn du magst.

Spür, wie die Matratze unter dir nachgibt und dich hält. Deine Arme dürfen schwer werden, und deine Beine auch.

Atme ein. Und lass den Atem wieder gehen, ohne ihn festzuhalten.

Heute gehen wir durch den dreiundzwanzigsten Psalm wie durch eine Landschaft. Ganz langsam, Vers für Vers. Du musst nichts dabei tun, nur mitgehen.

Der Herr ist mein Hirt: mir mangelt nichts.

Es ist später Nachmittag. Du bist unterwegs, auf einem schmalen Weg, der sich zwischen Hügeln hindurchzieht. Vor dir geht jemand, ein Hirt, mit einem langen Stab in der Hand. Er geht langsam, so, dass du gut mitkommst.

Die Sonne steht schon tief, und das Licht ist warm und golden. Es liegt auf den Hängen wie Honig. Die Schatten der Bäume sind lang geworden.

Auf grünen Auen lässt er mich lagern.

Der Weg führt auf eine Wiese. Das Gras ist hoch und weich, dazwischen blühen kleine Blumen, gelb und weiss. Es riecht nach Heu und nach warmer Erde.

Der Hirt bleibt stehen, und du setzt dich. Du lässt dich ins Gras sinken. Es ist noch warm von der Sonne. Über dir summt eine Biene, und irgendwo, weit weg, bimmelt eine Glocke.

Ein Schmetterling setzt sich auf einen Halm neben dir, klappt die Flügel zu und wieder auf. Du legst dich zurück und schaust in den Himmel. Ein paar Wolken ziehen vorbei, langsam, als hätten sie heute keinen Termin mehr.

Zum Lagerplatz am Bache führt er mich.

Nach einer Weile geht ihr weiter, hinunter zu einem Bach. Das Wasser ist klar, du siehst jeden Stein am Grund. Es fliesst ruhig dahin, mit einem leisen, gleichmässigen Plätschern.

Du kniest dich hin und trinkst aus der hohlen Hand. Das Wasser ist kühl und schmeckt nach Stein und nach Bergen. Du wäschst dir das Gesicht, und der Staub des Tages geht mit dem Wasser davon.

Am Ufer wachsen Weiden. Ihre langen Zweige hängen bis ins Wasser, und die Strömung bewegt sie hin und her, ganz sachte.

Er erquickt meine Seele.

Er leitet mich auf rechten Pfaden um seines Namens willen.

Der Weg geht weiter, den Bach entlang und zwischen Sträuchern hindurch. Der Hirt kennt jeden Stein und jede Biegung. Wo es steil wird, geht er langsamer, und wo der Weg sich gabelt, wartet er auf dich.

Ihr kommt an einer alten Mauer aus Feldsteinen vorbei. Die Steine sind noch warm von der Sonne, und eine Eidechse huscht in eine Ritze.

Müsst’ ich auch wandern in finsterm Tal: ich fürchte kein Unglück, denn du bist bei mir.

Jetzt führt der Weg in ein enges Tal. Die Felswände rücken näher, und die Sonne ist hinter dem Hügel verschwunden. Es wird kühler und dunkler.

Du siehst nicht mehr weit. Aber du hörst ihn vor dir, seine ruhigen Schritte auf dem Pfad und das leise Klopfen seines Stabes auf dem Stein. Einmal, und wieder. So weisst du immer, wo er ist.

Dein Hirtenstab und dein Stecken, die sind mein Trost.

Und dann öffnet sich das Tal. Vor dir liegt ein weiter, sanfter Hang im letzten Abendlicht. Oben auf einer kleinen Anhöhe steht ein Haus mit hellen Fenstern.

Du deckst mir reichlich den Tisch.

Drinnen ist es warm. Im Herd knistert ein Feuer. Auf dem Tisch steht Brot, frisch und duftend, dazu Käse und Oliven und eine Schale mit Feigen. Der Hirt zieht dir einen Stuhl heran.

Das Brot ist noch warm. Du brichst ein Stück ab, und die Kruste knackt leise.

Du salbst mir das Haupt mit Öl und schenkst mir den Becher voll ein.

Er giesst dir ein wenig Öl über das Haar, so wie man es damals bei einem Gast tat, den man ehren wollte. Es riecht nach Kräutern. Und er füllt deinen Becher, bis er fast überläuft.

Du isst langsam. Du bist müde, auf die gute Art, so wie man nach einem langen Tag draussen müde ist.

Nur Gutes und Liebes werden mich begleiten mein ganzes Leben hindurch.

Draussen ist es Nacht geworden. Durch das Fenster siehst du die Sterne über den Hügeln, und den Weg, den ihr gekommen seid, silbern im Mondlicht.

Neben dem Herd ist ein Lager für dich gemacht, mit einer dicken Wolldecke. Du legst dich hin. Die Decke ist schwer und warm.

Das Holz im Herd ist zu Glut geworden. Ab und zu knackt es, und ein kleiner Funke steigt auf.

Der Hirt sitzt noch am Feuer und wacht.

Und heimkehren werd’ ich zum Hause des Herrn für eine lange Reihe von Tagen.

Das Feuer knistert leise.

Du bist zu Hause.