Dorfbrunnen

Lectio · Johannes 4

Gib mir zu trinken

11 Min. · Stimme Lana · Joh 4,5-18.25-30

Eine Frau holt Wasser zu einer Stunde, in der sonst niemand kommt, und trifft auf einen, der sie ganz kennt. Für Zeiten, in denen du dich zurückziehst.

Zum MitlesenText anzeigen

Du bist hier. Das genügt für den Anfang. Nimm wahr, ob du durstig bist. Nach Wasser, oder nach einem Menschen, der dir zuhört.

Atme ruhig. Lass die Schultern sinken.

Jesus, du wartest am Brunnen. Ich komme.

Jesus sitzt müde an einem Brunnen in Samarien. Es ist Mittag, die heisseste Stunde des Tages. Eine Frau kommt Wasser holen, zu einer Zeit, in der sonst niemand kommt. Ich lese die Geschichte etwas gekürzt. So kam er denn ins Gebiet einer samaritischen Stadt namens Sychar, die nahe bei dem Felde liegt, das Jakob einst seinem Sohne Joseph geschenkt hatte. Dort war aber der Jakobsbrunnen. Weil nun Jesus von der Wanderung ermüdet war, setzte er sich ohne weiteres am Brunnen nieder; es war ungefähr die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus bat sie: «Gib mir zu trinken!» Seine Jünger waren nämlich in die Stadt weggegangen, um Lebensmittel zu kaufen. Da sagte die Samariterin zu ihm: «Wie kommst du dazu, da du doch ein Jude bist, von mir, einer Samariterin, einen Trunk zu erbitten?» – Die Juden haben nämlich mit den Samaritern keinen Verkehr. Jesus gab ihr zur Antwort: «Wenn du die Gabe Gottes kenntest und wüsstest, wer der ist, der einen Trunk von dir wünscht, so würdest du ihn bitten, und er würde dir lebendiges Wasser geben.» Da erwiderte ihm die Frau: «Herr, du hast ja kein Gefäss zum Schöpfen, und der Brunnen ist tief: woher willst du denn das lebendige Wasser nehmen? Du bist doch nicht mehr als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben hat? Und er selbst hat aus ihm getrunken samt seinen Söhnen und seinen Herden.» Jesus antwortete ihr: «Jeder, der von diesem Wasser trinkt, wird wieder dürsten; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, der wird in Ewigkeit nicht wieder Durst leiden, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm zu einer Wasserquelle werden, die zu ewigem Leben sprudelt.» Die Frau antwortete ihm: «Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich nicht wieder durstig werde und nicht mehr hierher zu kommen brauche, um Wasser zu holen!» Da sagte Jesus zu ihr: «Geh hin, rufe deinen Mann und komm dann wieder hierher!» Die Frau antwortete: «Ich habe keinen Mann.» Jesus erwiderte ihr: «Du hast mit Recht gesagt: ‹Ich habe keinen Mann›; denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Ehemann; damit hast du die Wahrheit gesagt.» Da sagte die Frau zu ihm: «Ich weiss, dass der Messias kommt, den man Christus nennt; wenn der kommt, wird er uns über alles Auskunft geben.» Jesus antwortete ihr: «Ich bin’s, der mit dir redet.» In diesem Augenblick kamen seine Jünger und wunderten sich darüber, dass er mit einer Frau redete; doch fragte ihn keiner: «Was willst du von ihr?» oder: «Wozu redest du mit ihr?» Da liess nun die Frau ihren Wasserkrug stehen, ging in die Stadt zurück und sagte zu den Leuten dort: «Kommt und seht einen Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe! Sollte dieser vielleicht Christus sein?» Da gingen sie aus der Stadt hinaus und begaben sich zu ihm.

Ich lese zwei Stellen noch einmal. Achte darauf, welches Wort dich trifft.

Da sagte Jesus zu ihr: «Geh hin, rufe deinen Mann und komm dann wieder hierher!» Die Frau antwortete: «Ich habe keinen Mann.» Jesus erwiderte ihr: «Du hast mit Recht gesagt: ‹Ich habe keinen Mann›; denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Ehemann; damit hast du die Wahrheit gesagt.»

Da liess nun die Frau ihren Wasserkrug stehen, ging in die Stadt zurück und sagte zu den Leuten dort: «Kommt und seht einen Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe! Sollte dieser vielleicht Christus sein?»

Welches Wort ist es? Bleib bei ihm.

Wer mittags zum Brunnen geht, will niemandem begegnen. Die Frau hat ihre Gründe. Im Dorf wird geredet. Man kann auch heute sehr allein sein, ohne dass es jemand merkt. Im Homeoffice oder in einer Wohnung mit dünnen Wänden. Man erledigt seine Dinge zu Zeiten, in denen einem keiner Fragen stellt. Jesus fängt mit seinem eigenen Durst an. Gib mir zu trinken. Er ist müde, und er bittet sie zuerst. Später sagt er ihr, was sie nicht erzählen wollte, und er geht trotzdem nicht weg. Sie lässt ihren Krug stehen und läuft mitten ins Dorf, zu genau den Leuten, denen sie ausgewichen ist.

Gibt es etwas in deinem Leben, das du lieber niemandem erzählst?

Erzähl es ihm jetzt. Er weiss es schon. Du darfst es trotzdem sagen.

Und wenn es still bleibt: Er sitzt am Brunnen und hat Zeit.

Ein Vorsatz für heute. Wenn dich heute jemand fragt, wie es dir geht, antworte einmal mit einem Satz, der wirklich stimmt.

Herr, gib mir von deinem Wasser. Amen.