
Lectio · Lukas 24
Brannte nicht unser Herz
11 Min. · Stimme Leon · Lk 24,13-35
Zwei gehen enttäuscht nach Hause, und einer geht mit, den sie nicht erkennen. Für einen Heimweg nach einem Tag, der anders lief als erhofft.
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Such dir einen Platz, an dem du ein paar Minuten bleiben kannst. Im Zug oder am Küchentisch, das spielt keine Rolle. Spür, wie du sitzt. Die Füsse auf dem Boden, der Rücken angelehnt.
Atme ein paar Mal langsamer als sonst. Du musst in den nächsten Minuten nichts erreichen.
Herr, ich bin da. Geh du mit, auch durch diese Minuten.
Die Geschichte von Emmaus spielt am Abend des Ostertags. Zwei Menschen gehen nach Hause, weil für sie alles vorbei ist. Hör einfach zu. Und siehe, zwei von ihnen waren an demselben Tage auf der Wanderung nach einem Dorf begriffen, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt lag und Emmaus hiess. Sie unterhielten sich miteinander über alle diese Begebenheiten. Während sie sich nun so unterhielten und sich gegeneinander aussprachen, kam Jesus selbst hinzu und schloss sich ihnen auf der Wanderung an; ihre Augen jedoch wurden gehalten, so dass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie nun: «Was sind das für Gespräche, die ihr da auf eurer Wanderung miteinander führt?» Da blieben sie betrübten Angesichts stehen. Der eine aber von ihnen, namens Kleopas, erwiderte ihm: «Du bist wohl der einzige, der sich in Jerusalem aufhält und nichts von dem erfahren hat, was in diesen Tagen dort geschehen ist?» Er fragte sie: «Was denn?» Sie antworteten ihm: «Das, was mit Jesus von Nazareth geschehen ist, der ein Prophet war, gewaltig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. Ihn haben unsere Hohenpriester und der Hohe Rat zur Todesstrafe ausgeliefert und ans Kreuz gebracht. Wir aber hatten gehofft, dass er es sei, der Israel erlösen würde; aber nun ist bei dem allem heute schon der dritte Tag, seit dies geschehen ist. Dazu haben uns aber auch noch einige Frauen, die zu uns gehören, in Bestürzung versetzt: sie sind heute in der Frühe am Grabe gewesen und haben, als sie seinen Leichnam nicht gefunden hatten, nach ihrer Rückkehr erzählt, sie hätten auch noch eine Erscheinung von Engeln gesehen, und diese hätten gesagt, dass er lebe. Da sind denn einige der Unseren zum Grabe hingegangen und haben es so gefunden, wie die Frauen berichtet hatten, ihn selbst aber haben sie nicht gesehen.» Da sagte er zu ihnen: «O ihr Gedankenlosen, wie ist doch euer Herz so träge, um an alles das zu glauben, was die Propheten verkündigt haben! Musste denn Christus dies nicht leiden und dann in seine Herrlichkeit eingehen?» Darauf fing er bei Mose und allen Propheten an und legte ihnen alle Schriftstellen aus, die sich auf ihn bezogen. So kamen sie in die Nähe des Dorfes, wohin die Wanderung ging, und er tat so, als wollte er weiterwandern. Da nötigten sie ihn mit den Worten: «Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich schon geneigt!» So trat er denn ein, um bei ihnen zu bleiben. Als er sich hierauf mit ihnen zu Tisch gesetzt hatte, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis Gottes, brach das Brot und gab es ihnen: da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; doch er entschwand ihren Blicken. Da sagten sie zueinander: «Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriftstellen erschloss?» Und sie machten sich noch in derselben Stunde auf, kehrten nach Jerusalem zurück und fanden dort die Elf nebst ihren Genossen versammelt; diese teilten ihnen mit: «Der Herr ist wirklich auferweckt worden und ist dem Simon erschienen!» Da erzählten auch sie, was sich unterwegs zugetragen hatte und wie er von ihnen am Brechen des Brotes erkannt worden war.
Wir hören den Schluss noch einmal, von dem Moment an, als sie das Dorf erreichen. Achte darauf, welches Wort oder welcher Satz bei dir hängen bleibt. Du musst nicht wissen, warum.
So kamen sie in die Nähe des Dorfes, wohin die Wanderung ging, und er tat so, als wollte er weiterwandern. Da nötigten sie ihn mit den Worten: «Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich schon geneigt!» So trat er denn ein, um bei ihnen zu bleiben. Als er sich hierauf mit ihnen zu Tisch gesetzt hatte, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis Gottes, brach das Brot und gab es ihnen: da gingen ihnen die Augen auf, und sie erkannten ihn; doch er entschwand ihren Blicken. Da sagten sie zueinander: «Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriftstellen erschloss?»
Welches Wort ist es? Sprich es innerlich, ein paar Mal, langsam.
Die beiden reden auf dem ganzen Weg über das, was schiefgegangen ist. «Wir aber hatten gehofft.» Diesen Satz kennst du vielleicht. Von einer Bewerbung, auf die eine Absage kam. Oder von einer Beziehung, die du dir anders vorgestellt hattest. Jesus geht neben ihnen her, und sie merken es nicht. Er hört ihnen zu und fragt, worüber sie reden. Denk an den Heimweg, den du oft machst. Die S-Bahn am Abend oder das Auto im Stau vor dem Kreisel. Meistens läuft da im Kopf ein Gespräch, das den Tag noch einmal durchkaut. Die Jünger erkennen ihn erst am Tisch, beim Brotbrechen, bei etwas ganz Gewöhnlichem. Und erst im Nachhinein fällt ihnen auf, dass ihnen unterwegs schon warm ums Herz geworden war.
Wo ist er heute neben dir hergegangen, ohne dass du es gemerkt hast?
Rede jetzt mit ihm. Du kannst ihm erzählen, worauf du gehofft hattest. Oder du bittest ihn einfach: Bleib bei mir, es will Abend werden.
Wenn dir nichts mehr einfällt, bleib bei dem einen Wort von vorhin.
Ein Vorsatz für heute. Bevor du am Abend das Licht löschst, geh den Tag noch einmal ab wie einen Weg. Such eine einzige Stelle, an der dir das Herz warm wurde, und sag ihm danke dafür.
Herr, bleib bei uns. Amen.