Mondnacht über den Alpen

Für Kinder · vier Geschichten, gut 20 Minuten

Lange Gute Nacht

20 Min. · Stimme Leon und Lana

Samuel hört nachts seinen Namen, der Hirte sucht das eine Schaf, Jesus segnet die Kinder, Abraham zählt die Sterne. Vier Abendgeschichten am Stück, mit Stille dazwischen. Für Abende, an denen das Einschlafen länger dauert.

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Guten Abend. Jetzt wird es ruhig im Haus. Leg dich hin. Zieh die Decke über die Schultern.

Und mach die Augen zu.

Wir atmen dreimal. Einatmen, der Bauch wird rund wie ein Ballon.

Ausatmen, langsam.

Ein.

Aus.

Und ein drittes Mal, ganz leise.

Hör einmal, was du jetzt hörst. Vielleicht ein Auto draussen. Oder deinen eigenen Atem.

Vor langer Zeit lebte ein Junge, der hiess Samuel. Seine Mutter hatte ihn ins Haus Gottes gebracht. Dort wohnte er bei einem alten Priester, der hiess Eli.

Eli konnte nicht mehr gut sehen. Samuel half ihm. Am Abend legten sich beide schlafen. Samuel lag in dem Raum, wo eine Lampe für Gott brannte.

Mitten in der Nacht hörte Samuel eine Stimme: Samuel! Er sprang auf und lief zu Eli. Hier bin ich, du hast mich gerufen. Aber Eli sagte: Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen.

Samuel legte sich hin. Und wieder rief die Stimme: Samuel! Und wieder lief er zu Eli. Und wieder sagte Eli: Ich war es nicht.

Beim dritten Mal merkte Eli etwas. Er sagte: Es ist Gott, der dich ruft. Wenn er wieder ruft, dann sag: Rede, Gott, ich höre.

Samuel legte sich hin. Es war still. Die Lampe brannte.

Und Gott rief: Samuel, Samuel! Da sagte Samuel: Rede, ich höre.

Gott kennt auch deinen Namen. Er hat ihn schon immer gekannt.

Jetzt schauen wir auf deinen Tag. Was war heute schön? Was hast du heute gern gehört? Ein Lied, oder eine lustige Geschichte.

Gab es heute etwas Schweres? Etwas, das du nicht gern gehört hast?

Gott hat es mitgehört. Du darfst es ihm sagen.

Denk an einen Menschen, der heute gut zu dir war. Und sag leise seinen Namen.

Jetzt sind wir eine Weile ganz still, wie Samuel in der Nacht. Du musst nichts hören. Du darfst einfach da sein bei Gott.

Jetzt beten wir. Sprich leise mit. Lieber Gott, du kennst meinen Namen. Rede, ich höre. Danke für die Menschen, die gut zu mir sind. Bleib bei mir heute Nacht. Amen.

Jesus hat den Menschen einmal eine Geschichte erzählt. Sie geht so. Ein Hirte hat hundert Schafe. Jeden Tag führt er sie auf die Weide, wo das Gras saftig ist. Und am Abend zählt er sie. Eins, zwei, drei, bis hundert.

Aber eines Abends kommt er nur bis neunundneunzig. Ein Schaf fehlt. Ein kleines.

Vielleicht ist es einem Schmetterling nachgelaufen. Vielleicht hat es nicht aufgepasst und ist hinter einem Felsen geblieben. Jetzt ist es allein, und es wird dunkel.

Da lässt der Hirte die anderen an einem sicheren Platz und geht los, in die Dämmerung hinein. Er sucht hinter den Büschen und zwischen den Steinen. Er ruft. Und er hört nicht auf, bis er es findet.

Und dann hört er ein leises Mäh. Da ist es.

Der Hirte schimpft nicht. Er hebt das Schaf hoch und legt es sich um die Schultern. So trägt er es nach Hause, ganz warm an seinem Hals.

Zu Hause ruft er seine Freunde und Nachbarn und sagt: Freut euch mit mir! Ich habe mein Schaf wiedergefunden.

Jesus hat gesagt: So ist Gott. Er sucht jeden, bis er ihn findet. Auch dich.

Jetzt schauen wir noch auf deinen Tag. Was war heute schön? Vielleicht ein Spiel in der Pause. Oder ein Tier, das du gestreichelt hast.

Und gab es etwas, wo du dich ein bisschen verloren gefühlt hast? Allein, oder nicht dabei?

Gott hat es gesehen. Er hat dich gesucht, auch da.

Denk jetzt an jemanden, der heute für dich da war. Und sag leise danke für ihn.

Jetzt beten wir zusammen, mit Worten aus dem dreiundzwanzigsten Psalm. Sprich mir nach, wenn du magst. Gott, du bist mein Hirte. Mir fehlt nichts. Du führst mich auf grüne Wiesen. Auch wenn es dunkel wird, habe ich keine Angst. Denn du bist bei mir. Amen.

Einmal war Jesus in einem Dorf, und viele Leute waren um ihn herum. Sie hörten ihm zu und stellten ihm Fragen.

Da kamen Mütter und Väter mit ihren Kindern. Sie wollten, dass Jesus ihre Kinder segnet.

Aber die Freunde von Jesus sagten: Halt! Geht weg. Jesus hat keine Zeit für Kinder.

Als Jesus das sah, wurde er ärgerlich. Er sagte zu seinen Freunden: Lasst die Kinder zu mir kommen. Schickt sie nicht weg.

Die Kinder hatten das gehört. Vielleicht waren sie zuerst ein bisschen schüchtern. Sie hielten sich am Rock der Mutter fest oder an der Hand vom Vater.

Aber Jesus schaute sie freundlich an. Da kamen sie näher. Eines nach dem anderen.

Jesus nahm sie in seine Arme. Er legte ihnen die Hände auf den Kopf und segnete sie, eines nach dem anderen.

Jetzt schauen wir auf deinen Tag. Wann hat dich heute jemand gern gehabt? Eine Umarmung. Oder jemand, der dir richtig zugehört hat.

Gab es heute einen Moment, wo du dich weggeschickt gefühlt hast? Wo niemand Zeit hatte?

Bei Jesus hast du immer Platz. Auch mit dem, was heute schwer war.

Denk an ein anderes Kind. Vielleicht aus deiner Klasse. Vielleicht eines, das oft allein ist.

Jetzt beten wir zusammen. Sprich mit, Satz für Satz. Jesus, du hast die Kinder zu dir gerufen. Ich komme auch zu dir. Nimm mich in deine Arme heute Nacht. Und sei auch bei dem Kind, an das ich gedacht habe. Amen.

Vor langer Zeit lebte ein Mann, der hiess Abraham. Er wohnte in einem Zelt, mit seiner Frau Sara, mit Schafen und Ziegen und Kamelen.

Abraham und Sara hatten keine Kinder. Darüber waren sie traurig. Und sie waren schon alt.

Eines Nachts hat Gott zu Abraham gesagt: Komm heraus aus dem Zelt. Abraham ist hinausgegangen. Draussen war es still und kühl. Über ihm der Himmel, schwarz und tief.

Und da waren Sterne. Ganz viele. Kleine und grosse, helle und schwache. So viele, wie man sie nur sieht, wenn keine Lampe brennt.

Gott hat gesagt: Schau zum Himmel. Zähl die Sterne, wenn du kannst.

Abraham hat vielleicht angefangen. Eins, zwei, drei. Aber es ging nicht. Es waren zu viele.

Da hat Gott gesagt: So viele Kinder und Enkel wirst du einmal haben. So viele, wie Sterne am Himmel stehen.

Und Abraham hat Gott geglaubt.

In einem Psalm steht, dass Gott jeden Stern mit Namen ruft. Und deinen Namen kennt er auch.

Jetzt schauen wir auf deinen Tag. Stell dir vor, jeder schöne Moment von heute ist ein kleiner Stern. Welche Sterne leuchten in deinem Tag? Ein Freund, der neben dir sass. Oder ein Bild, das dir gelungen ist.

Gab es heute auch etwas Dunkles? Etwas, das wehgetan hat?

Auch das darf jetzt bei Gott sein. Er kennt den dunklen Himmel, und er kennt die Sterne darin.

Denk an einen Menschen, den du gern hast. Vielleicht wohnt er weit weg. Er schaut in denselben Himmel wie du.

Jetzt beten wir zusammen. Sprich leise mit, Satz für Satz. Lieber Gott, du hast die Sterne gemacht. Du kennst jeden einzelnen. Du kennst auch mich. Danke für die hellen Momente heute. Bleib bei mir in der Nacht. Amen.

Über deinem Haus stehen jetzt die Sterne. Auch wenn Wolken davor sind, sie leuchten.

Gott segne dich und behüte dich. Er wacht über dir, die ganze Nacht.

Gute Nacht.