
Den Tag lesen · Sonntag
Brannte nicht unser Herz
7 Min. · Stimme Leon · Lk 24,29–32
Die Emmausjünger haben erst am Abend gemerkt, wer mit ihnen unterwegs war. Den Sonntag lesen, bevor der Montag anklopft.
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Guten Abend. Sonntagabend. Für viele klopft jetzt schon der Montag an die Tür. Die Tasche für morgen steht bereit, der Wecker ist gestellt.
Lass den Montag noch draussen. Dieser Abend gehört noch zum Sonntag. Atme ruhig ein und aus. Und spür, wie du sitzt oder liegst.
Gott, danke für diesen Sonntag. Ich möchte ihn nicht einfach abhaken. Schau ihn mit mir an.
Am Abend des ersten Ostertages gehen zwei Jünger nach Emmaus. Ein Fremder geht mit ihnen und erklärt ihnen die Schrift. Im Dorf bitten sie ihn: Bleib bei uns, denn es will Abend werden. Sie erkennen ihn erst, als er das Brot bricht. Und dann sagen sie zueinander: Brannte nicht unser Herz, als er unterwegs mit uns redete?
Sie haben es erst im Nachhinein gemerkt. Vielleicht geht es dir heute ähnlich. Die Frage für diesen Abend: Wo hat heute mein Herz gebrannt? Wo war etwas lebendig?
Geh den Sonntag durch. Den Morgen, vielleicht den Gottesdienst, das Essen, den Nachmittag. Lass die Stunden an dir vorbeiziehen.
Wo war heute ein Geschenk? Ein Moment, in dem du ganz da warst. Ein Gespräch, das länger ging als geplant. Kinderlachen. Ein Weg im Wald, mit Laub unter den Schuhen.
Bleib bei diesem Moment. Vielleicht war Gott darin, ohne dass du es gemerkt hast. Sag ihm danke.
Die Jünger haben ihn beim Brotbrechen erkannt. Vielleicht gab es auch bei dir heute einen Tisch, an dem etwas geteilt wurde. Ein Essen mit Freunden. Ein Stück Kuchen bei der Grossmutter.
Und wo hat dich heute etwas gestreift? Vielleicht die Leere, die sich an Sonntagen manchmal breitmacht. Oder die Unruhe vor der Woche. Nimm sie ernst. Und sag sie Gott.
Frag ihn: Was willst du mir mit diesem Sonntag sagen?
Die zwei Jünger haben den Fremden gebeten: Bleib bei uns. Sag es jetzt auch, mit deinen eigenen Worten.
Und die Woche, die morgen beginnt? Die legst du jetzt in Gottes Hand. Anschauen musst du sie heute nicht mehr.
Ein Vorsatz: Wenn du morgen früh losgehst, erinnere dich an den einen Moment von heute, in dem dein Herz gebrannt hat. Nimm ihn mit in den Montag.
Danke, Herr, dass du mitgegangen bist. Auch heute. Auch dort, wo ich dich nicht erkannt habe.
Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht zu dir hin und gewähre dir Frieden. Amen.
Gute Nacht.